Überwinterung von Kokons der Roten Mauerbiene

Der Entwicklungszyklus der Roten Mauerbiene beginnt im Frühjahr, wenn die Tagestemperatur ca. 15 °C erreicht. Unter unseren Klimabedingungen kann dieser Prozess schon Anfang April erfolgen. Zuerst durchnagen die Männchen die Kokons, die Weibchen erscheinen 7-10 Tage später. Nach der Begattung beginnen die Weibchen die Nester zu bauen. Aus einem feuchten Lehm oder aus Schlamm wird die Trennwand errichtet. Das Weibchen sammelt dann einen Blütenstaub ein (ca. 200 mg in jeder Zelle), legt an dem Pollenvorrat ein Ei ab und verschließt die Zelle mit einer Trennwand, hinter der sich eine andere Zelle verbirgt. Aus dem Ei schlüpft eine Made, die sich von Pollenvorrat ernährt. Nach dem Verzehr der Nahrung spinnen sich die Larven in einen Kokon ein, in dem sie verpuppen. Ende Sommer findet man schon fertige Bienen im Kokon, in dem sie als Imago bis zum kommenden Frühjahr überwintern. Die Röhrchen, die von April bis Ende Mai besiedelt wurden, sollten bis zum Herbst vor Ort gelassen werden. Die Erschütterungen bei der Übertragung oder Überführung von Nistkisten können einen Abfall der Bienen von der Nahrung verursachen und dadurch das Sterben der Insekten zur Folge haben. Am günstigsten wäre es das belegte Nest erst Hälfte September zu übertragen.

Um maximale Vermehrung der Population von Mauerbienen in folgenden Jahren zu gewähren, sollte man die Schilfnesthilfen aufspalten, die Kokons herausziehen und nur gut entwickelte gesunde Kokons in die Überwinterstelle übertragen. Man muss auf den Parasitenbefall achten, der durch runde Löcher in Kokons zu erkennen ist. Besonders ist dabei auf die Zellen Acht zu geben, in denen es keine Kokons gibt und die fast voll durch hellbraune kleine Milben - Chaetodactylus osmiae besiedelt sind. Die Milben vermehrten sich auf dem Blütenstab, der von den Weibchen der Roten Mauerbiene eingesammelt wurde. Wenn sich befallene Zellen zwischen Kokons befinden, sind die Kokons vorsichtig herauszuziehen, damit keine Milben auf ihre Oberfläche gelangen.

Die Taufliegen - Cacoxenus und die Erzwespen - Monodontomerus sind auch Parasiten, die für Kolonien der Roten Mauerbiene gefährlich sind. Diese Parasiten beseitigen wir bei der Kontrolle der Nester und nach dem Durchnagen der Mauerbienen verbrennen wir die Kokonreste.


Chaetodactylus osmiae Chaetodactylus osmiae
Chaetodactylus osmiae Cacoxenus indagator
Monodontomerus - imago

Die Überwinterung der Kokons ist nicht besonders umständlich. Man braucht nur einige Vo-raussetzungen zu erfüllen, damit die Bienen im guten Zustand überwintern und in einer zufriedenstellenden Anzahl von mehr als 90% durchnagen.

Schon während der Übertragung der besiedelten Nester sollte man die Stelle für ihre Unterbringung planen. Der Raum muss kühl sein. Die Nester dürfen bis zur Herausnahme von Kokons z.B. im Dezember oder im Januar in beheizten Gebäuden nicht überwintern, denn die Bienen können in Kokons sterben. Beheizte Räume haben gewöhnlich eine niedrige Luftfeuchtigkeit und in Folge dessen vertrocknen die Kokons in Schilfröhrchen. Darüber hinaus hat jedes erwachsene Insekt, das im Kokon überwintert, im Hinterleib einen Fettvorrat für die Winterzeit. Zu hohe Temperatur während der Überwinterung beschleunigt bei dem Insekt einen Metabolismus und dadurch kann der ganze Fettkörper vor dem Frühling verbraucht werden und das Insekt stirbt.

Bisher wurde gemeint, dass ein Kühlschrank mit der Temperatur von ca. 4°C die beste Stelle für die Überwinterung der Mauerbiene sei. Eine solche Unterbringung von Kokons hat jedoch einen wesentlichen Nachteil. Die Kühlschränke werden meistens in beheizten Räumen aufgestellt und bei der kleinen Zucht der Mauerbienen sind sie auch für andere Zwecke z.B. zur Aufbewahrung der Lebensmittel benutzt. Die Kühlschränke werden deshalb oft auf- und zugemacht. Nach der Türöffnung steigt die Temperatur um mehrere Grad. Nach der Türschließung senkt der Aggregat nach einigen Stunden die Temperatur auf 3-4 °C. Die Situation wiederholt sich mehrmals. Solche Temperaturschwankungen sind für Mauerbienen (ins-besondere für Männchen) ein Signal, dass der Frühling beginnt. Im Frühling beobachtet man ja die Temperatursprünge bis zu einigen Grad am Tage und nächtliche Abkühlungen sogar unter 0 °C. Bei der Überwinterung der Kokons im Kühlschrank beobachteten wir, dass die Männchen wegen der Temperaturschwankungen manchmal schon im Januar die Kokons durchnagen.

Letzte Beobachtungen der Überwinterung von großen Kokonpartien beweisen, dass die Temperatur bis +10 °C die Überlebensrate der Bienen nicht verschlechtert und das vorzeitige Durchnagen nicht verursacht. Die Temperatursenkungen unter 0 °C im Überwinterungsraum haben keinen negativen Einfluss auf das Überleben von Insekten, denn natürliche Kolonien der Mauerbienen vertragen die Temperatursenkung bis unter -20 °C. Die Kokons, die aus Nestern herausgezogen und in die Kartons hineingelegt wurden, können z.B. in den unbeheizten mit Polystyrol isolierten Gebäuden überwintern. Das Polystyrol schützt den Raum mit Kokons vor der drastischen Temperatursenkung im Winter und im Frühling vor der rapiden Temperatursteigerung. Geeignet für die Überwinterung sind auch dunkle Keller und Obstkühllager, ausgenommen diese mit kontrollierter Atmosphäre. Es gibt Informationen , dass die Kokons während der Überwinterung im Obstlager wegen der hohen Luftfeuchtigkeit von Schimmel befallen werden. Der Schimmel entwickelt sich auf der Oberfläche der Kokons, auf denen sich die Reste eines Blütenstaubs aus Nestzellen befinden. Der Schimmel verursacht in der Zucht keine Schäden, denn die Insekten werden davor durch Kokons gut geschützt. Um dieses Problem zu vermeiden, schlage ich vor, die Kokons in unbeheizten Räumen zu unterbringen und ins Obstlager erst im Frühjahr zu übertragen, wenn die Temperatur über +10 °C steigen kann. In jedem Fall sollte man auf den Schutz der Kokons vor Nagetieren achten. Außerdem sollte die Kokonschicht in einem Karton nicht dicker als einige Zentimeter sein. Dicke Schicht von Kokons kann den Temperaturanstieg im Karton zur Folge haben und zum vorzeitigen Durchnagen der Insekten beitragen. Wenn wir die Kokons zum Versand vorbereiten, sollten wir auch darauf achten, dass die Schicht der Kokons nicht zu dick sei.

Kokons, die unter oben beschriebenen Bedingungen überwintern, stellen wir in erster Hälfte April mit entsprechender Anzahl der Nisthilfe in die Obstanlage auf (700 Schilfröhrchen pro 1000 Kokons), aber nicht später als 2 Wochen vor dem voraussichtlichen Pflanzenblühen.

Dariusz Teper

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